Wie analoge Fotografie entschleunigen kann
Analoge Fotografie gewinnt gerade in der heutigen Zeit wieder an Bedeutung, wenn es darum geht, den Moment so einzufangen, wie er ist: Echt, roh und ungefiltert. Im Interview mit dem Nürnberger Fotografen Tim Schoberth versetzen wir uns ein bisschen zurück in die entschleunigte Zeit der 90er-Jahre. Wir sprechen auf Basis unseres gemeinsamen Fotoshootings über den Prozess, sich explizit für analoge Fotografie zu entscheiden. Außerdem erklärt Tim, wie der technische Prozess, die Bilder zu entwickeln, abläuft und was ihn so daran fasziniert. Zu guter Letzt erfahren wir auch ein bisschen darüber, weshalb dieses Fotoshooting zustande kam und was den Fotografen so an alternativen Lebensentwürfen wie dem einer Domina interessiert.
„So würde ich auch meinen Stil beschreiben, echte Menschen, echte Situationen, fast schon dokumentarisch.“ – Tim Schoberth
Viel Spaß beim Lesen des Interviews!


Interview zum Fotoshooting mit einer Domina
1. Lady Alexa X: Hi Tim. Mega, dass du Lust hast, uns ein bisschen mit hinter die Kulissen zu nehmen. Beginnen wir direkt mit der ersten Frage: Was genau fasziniert dich an analoger Fotografie und wie bist du darauf gekommen?
Tim: Für mich war analoge Fotografie anfangs einfach nur eine kleine ‚Point & Shoot‘- Kamera, die ich überall mit mir dabeihabe, um zufällige, schöne Momente festzuhalten, egal ob es jetzt im Alltag, bei der Arbeit oder im Urlaub ist. Erst später habe ich die Vorzüge auch für Shootings und Aufträge zu schätzen gelernt. Für mich ist das vor allem während dem Prozess des Fotografierens selbst: von digitalen Bildschirmen weg zu kommen, die Bilder nicht sofort alle auf mein Handy zu übertragen und auszusortieren und dadurch einfach mehr Vertrauen in das eigene Schaffen zu bekommen. Diese Entzerrung fühlt sich gut an und entspannt mich.


2. Lady Alexa X: Wie funktioniert analoge Fotografie technisch, entwickelst du die Bilder selbst?
Tim: Mit der Kamera, die ich am häufigsten benutze, muss ich alles komplett manuell einstellen, das heißt die Belichtung über die Blende und Belichtungszeit. Die Sensitivität, also ISO, wie bei einer digitalen Kamera, gibt mir der eingelegte Film vor. Bei wechselnden Lichtverhältnissen braucht das schon etwas Erfahrung, man wird auf jeden Fall viele Fehler bei der Belichtung machen, aus denen man dann aber auch viel lernen kann. Wenn die Bilder alle geschossen und die Filmrollen voll sind, bringe ich diese in das Labor meines Vertrauens und lasse sie dort entwickeln. Das ist ein Prozess, den ich vor allem bei Farbfotografie lieber den Profis mit ihren automatischen Maschinen überlasse als das händisch zu Hause zu machen.


3. Lady Alexa X: Wie kommen die Bilder von der Filmrolle in unseren Feed? Wie viel oder wenig bearbeitest du die Bilder und was zeichnet deinen Stil aus?
Tim: Die entwickelten Filmrollen hole ich dann ab und scanne diese selbst zu Hause mit einer speziellen Vorrichtung für meine Digitalkamera, ab hier geht der Prozess dann im Endeffekt genauso weiter, wie mit digitalen Bildern auch, nur dass ich die Negative noch mit einem Programm in Positive verwandeln muss. Ich bearbeite die Bilder in Bezug auf Helligkeit und Kontrast und auch an den Farben drehe ich ein bisschen, das war aber früher in der Dunkelkammer im komplett analogen Workflow auch nicht anders. Ich verzichte bewusst darauf, Haut übermäßig zu glätten oder Ähnliches, da ich echte Menschen zeigen möchte und keine geschönte Version der Realität, wie in vielen Werbungen z.B. für Hautpflege- oder Make-Up-Produkte oder auch häufig in Fashion Editorials. So würde ich auch meinen Stil beschreiben, echte Menschen, echte Situationen, fast schon dokumentarisch.


4. Lady Alexa X: Wie kamst du darauf, eine Domina für ein Fotoshooting anzufragen?
Ich interessiere mich vor allem für Menschen mit Lebensentwürfen, Berufen oder Hobbies, die abseits vom Mainstream-Diskurs stattfinden. Zu dem Thema BDSM bin ich vor allem durch mein Interesse an der Kinky-Party-Szene und der Shibari-Fesselkunst gekommen. Ich würde mich nicht als aktiver Teil dieser Szenen bzw. Subkulturen bezeichnen, aber ich verfolge diese auch gern auf Social Media etc. und da liegt es einfach nahe auch gerne mal eine Person, die sich professionell im BDSM-Bereich bewegt, vor meine Kamera zu bekommen und so habe ich einfach mal Google bemüht, um herauszufinden, ob es denn eine sympathisch wirkende Domina in Nürnberg gibt und diese Person habe ich in dir ja schönerweise auch gefunden!


Lady Alexa X: Vielen Dank für die Blumen und, dass du uns ein bisschen mit in deine Welt genommen hast. Vielleicht gibt es in Zukunft ja mal ein weiteres Shooting, Ideen sind bekanntlich immer genug vorhanden.
Website: timschoberth.de
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